Das deutsche Vergaberecht folgt bei der Auftragsvergabe oberhalb der EU-Schwellenwerte einem dreistufigen Aufbau, die Vergaberegeln sind also auf mehrere Ebenen verteilt. Auf der ersten Stufe regelt das Vergaberecht im Vierten Teil des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkung (§§ 97 ff. GWB) den Anwendungsbereich und die Grundprinzipien des Vergaberechts. Es legt zudem die verschiedenen Vergabearten fest, regelt die Informations- und Wartepflicht des Auftraggebers vor Zuschlagserteilung und bestimmt die Konsequenzen eines Verstoßes gegen diese Pflichten sowie die Sanktionen einer unzulässigen Direktvergabe an ein Unternehmen (De-facto-Vergabe). Vor allem führt der Vierte Teil des GWB mit dem Nachprüfungsverfahren vor der Vergabekammer (in erster Instanz) und den Vergabesenaten der Oberlandesgerichte (in zweiter Instanz) das eigenständige vergaberechtliche Rechtsschutzverfahren für Bieter ein, die bei der Auftragsvergabe nicht berücksichtigt worden sind oder sich sonst benachteiligt glauben. Auf der zweiten Stufe fungiert die Vergabeverordnung (VgV) vornehmlich als Scharnier zu den Vergabe- und Vertragsordnungen, deren Anwendung die VgV für die Durchführung von Vergabeverfahren anordnet, so dass öffentliche Auftraggeber bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB), die Vergabe- und Vertragsordnung für Leistungen (VOL) und die Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen (VOF) beachten müssen. Die VgV enthält aber auch Regelungen über die Höhe der jeweiligen Schwellenwerte und macht Vorgaben zur Berücksichtigung der Energieeffizienz bei Auftragsvergaben. Die Vergabe- und Vertragsordnungen bilden schließlich die dritte Stufe im Aufbau des deutschen Vergaberechts. Sie enthalten die „Spielregeln“ für das Vergabeverfahren (VOB/A, VOL/A, VOF) und die Allgemeinen Vertragsbedingungen (VOB/B, VOL/B).