Nach § 101 GWB wird bei Aufträgen oberhalb der EU-Schwellenwerte zwischen folgenden Vergabeverfahren unterschieden: Offenes Verfahren (dem bei nationalen Vergabeverfahren unterhalb der EU-Schwellenwerte die Öffentliche Ausschreibung entspricht). Bei diesem Verfahren kann sich jedes interessierte Unternehmen um den ausgeschriebenen Auftrag bewerben. Der Auftraggeber ist verpflichtet, den zu vergebenen Auftrag nach strengen Form- und Fristvorschriften öffentlich bekannt zu machen, um einer Vielzahl von Bewerbern die Möglichkeit zu geben, ihre Leistungen im Wettbewerb anzubieten. Nichtoffenes Verfahren (oberhalb des Schwellenwertes) bzw. Beschränkte Ausschreibung (unterhalb des Schwellenwertes). Der Auftraggeber trifft bei dem Nichtoffenen Verfahren oder der Beschränkten Ausschreibung eine Auswahlentscheidung, d.h. nicht alle interessierten Unternehmen dürfen ein Angebot abgeben, sondern nur die Unternehmen, die der Auftraggeber hierzu auffordert. Der Auswahlentscheidung ist zu diesem Zweck bei Nichtoffenen Verfahren ein Öffentlicher Teilnahmewettbewerb vorgeschaltet (der Auftrag wird öffentlich bekannt gegeben und die Unternehmen erhalten die Möglichkeit, einen Antrag auf Teilnahme am Verfahren zustellen). In dem Teilnahmewettbewerb werden aufgrund der mit dem Teilnahmeantrag eingereichten Erklärungen und Nachweise (z.B. Referenzen) diejenigen Unternehmen ausgewählt, die ein Angebot abgeben können. Bei der Beschränkten Ausschreibung ist der Öffentliche Teilnahmewettbewerb nicht in jedem Fall vorgeschrieben. Der Auftraggeber kann sich unter Umständen ohne Bekanntmachung, unmittelbar an einen bekannten Kreis von Unternehmen wenden und zur Angebotsabgabe auffordern. Verhandlungsverfahren (oberhalb des Schwellenwertes) bzw. Freihändige Vergabe (unterhalb des Schwellenwertes). Im Verhandlungsverfahren wendet sich der Auftraggeber an ausgewählte Unternehmen, um über die Auftragsbedingungen zu verhandeln. In der Regel gehen dem Verhandlungsverfahren eine öffentliche Vergabebekanntmachung und ein Teilnahmewettbewerb voraus. In besonderen Ausnahmefällen kann der Auftraggeber auch auf ein Verhandlungsverfahren ohne Bekanntmachung und vorherigen Teilnahmewettbewerb zurückgreifen und direkt mit einem Unternehmen verhandeln. In nationalen Vergabeverfahren entspricht die Freihändige Vergabe dem Verhandlungsverfahren. Die Freihändige Vergabe ist an weniger strenge Verfahrensregeln als die anderen Vergabeverfahren gebunden. Das Verhandlungsverbot, welches bei allen Vergabeverfahren eingehalten werden muss, findet hier keine Anwendung. Der Wettbewerbliche Dialog kann oberhalb der Schwellenwerte zum Einsatz kommen, wenn besonders komplexe Aufträge vergeben werden und der Auftraggeber einerseits nicht in der Lage ist, die technischen Mittel anzugeben, mit denen seine Bedürfnisse und Ziele erfüllt werden können sowie andererseits nicht in der Lage ist, die rechtlichen und/oder finanziellen Konditionen anzugeben. Der Wettbewerbliche Dialog enthält Elemente des Nichtoffenen Verfahrens und des Verhandlungsverfahrens.