Bei der beabsichtigten Ersatzbeschaffung einer monoplanaren Angiographieanlage für die Kardiologie des Klinikums Gütersloh müssen die Auswirkungen eines möglichen Herstellerwechsel bedacht werden. Dabei sind neben rein technischen Aspekten insbesondere die betrieblichen, organisatorischen und wirtschaftlichen Auswirkungen einschließlich der notwendigen baulichen Maßnahmen sowie der hierdurch entstehenden Ausfallzeiten zu berücksichtigen, obwohl die Systeme der verschiedenen Hersteller funktional auf den ersten Blick weitgehend vergleichbar erscheinen.
Bei der Erneuerung eines komplexen bildgebenden Systems ist eine umfassende Betrachtung des zugehörigen Bildgebungsumfelds erforderlich. Ziel ist, die Systemheterogenität so gering wie möglich zu halten, damit bei Systemausfällen oder temporär erhöhtem Patientenaufkommen ein reibungsloser Systemwechsel durch das Personal möglich ist. Ein heterogenes Systemumfeld mit unterschiedlichen Bedienlogiken führt erfahrungsgemäß zu erhöhten Einarbeitungszeiten, einem gesteigerten Fehlerrisiko sowie zu Einschränkungen bei der klinischen Nutzung vorhandener Funktionen.
Dies ist gerade für interventionelle Maßnahmen, welche in vielen Fällen notfallmäßig und nicht elektiv durchgeführt werden und damit im Nacht- und Bereitschaftsdienst uneingeschränkt zur Verfügung stehen müssen, von Bedeutung. Hierdurch erhöht sich der Nutzerkreis und damit der Anteil weniger routinierter Kräfte erheblich. Eine einheitliche Bedienphiosophie reduziert für diesem Kreis unnötige Stressfaktoren durch die Technik und ermöglicht eine stärkere Konzentration auf die medizinische Leistung.
Am Klinikum Gütersloh sind derzeit vier Angiographieanlagen in Betrieb, von denen drei über die vollständige kardiologische Ausstattung verfügen. Die Anlage in der Radiologie kann im Notfall eingeschränkt für kardiologische Maßnahmen genutzt werden. Aufgrund der identischen Herstellerplattform und der nahezu deckungsgleichen Bedienphilosophie ist derzeit ein kurzfristiger Wechsel zwischen den Systemen für das medizinische Personal ohne zusätzliche Schulungs- oder Sicherheitsrisiken möglich.
Installationsaufwand, Ausfallszeiten und resultierende Kosten
Neben dem Bildgebungsumfeld sind die kostenrelevanten Unterschiede infolge zusätzlichen Installationsaufwands zu berücksichtigen. Maßgeblich sind hierbei zusätzliche bauliche Anpassungen, die längere Ausfallzeiten mit entsprechenden Einnahmeverlusten nach sich ziehen, sowie die eigentlichen Baukosten. Diese Ausfallzeiten können aufgrund der begrenzten Anzahl verfügbarer Herzkatheterlabore nicht kompensiert werden und führen unmittelbar zu nicht vermeidbaren Erlösausfällen, sodass sie zwingend in die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung einzubeziehen sind.
Die Ausfallzeit läge bei alternativen Anbietern im Durchschnitt um mehr als 14,5 Arbeitstage höher. Die damit einhergehenden Einnahmeverluste pro Arbeitstag, führen zu erheblichen Mindereinnahmen bei der Installation eines alternativen Systems. Die Berechnung stellt eine realistische und auf Erfahrungswerten beruhende Prognose dar und berücksichtigt ausschließlich reguläre Arbeitstage.